Die Welt ist das Wartezimmer des Todes und jeder wird einmal aufgerufen


Bei Friedhofgang gedachten die Lebenden ihrer toten Angehörigen - Christus lehrt uns gut zu sterben

 
 
An keinem anderen Tag des Jahres ist die Kirche so gut besucht, wie am Nachmittag des Allerheiligentages, wenn die Menschen ihrer verstorbenen Angehörigen und Freunde gedenken. Während der Andacht, bei der für die im letzten Jahr verstorbenen Pfarrangehörigen Kerzen entzündet wurden, ging Pfarrer Johann Tauer darauf ein, wie der Glauben den Menschen Halt geben könne, mit dem Tod von lieben Menschen umzugehen und in der Gewissheit des eigenen Sterbens zu lernen, gut zu sterben. Der Andacht schloss sich dann der Friedhofgang mit Gräbersegnung an.
  Während Allerheiligen ein frohes Fest sei, an dem die Kirche aller Heiligen gedenkt, die durch ein gottgefälliges Leben in die Ewigkeit eingegangen sind, sei Allerseelen der Tag, an dem der Verstorbenen gedacht wird, für die man das ewige Leben bei Gott erbittet, so Pfarrer Johann Tauer, zu Beginn der Andacht am Nachmittag von Allerheiligen. So seien Totengedenken und Friedhofgang vorgezogen auf den Nachmittag von Allerheiligen weil Allerseelen kein Feiertag ist. 
 Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag, Totensonntag. All diese Tage fallen in den Monat November. Auch das Sterben in der Natur, längere Dunkelheit, den Rückgang der wärmenden Sonnenstrahlen und die damit verbundene Kälte trage dazu bei, gerade in diesem Monat unser Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen. In jungen Jahren erscheint das Leben wie das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Später jedoch werde uns mehr und mehr bewusst, dass unser Leben eine auf Widerruf gestundete Zeit ist. Wir sind dankbar, wenn es gelingt den Tod hinauszuschieben. Aber trotz aller medizinischer Errungenschaften und Fortschritte ist es gewiss, dass der Tod unausweichlich auf uns zukommt. Jeder Versuch dem Tod aus dem Wege zu gehen entpuppe sich letztlich nur als eine Variante ihm entgegen zu gehen. Unser Glaube will uns helfen, bei der Erfahrung des Todes durch den Verlust eines lieben Menschen und beim Gedanken an das eigene Sterben standzuhalten, ja damit etwas anfangen zu können. Unsere auf Widerruf gestundete Zeit, so glauben und hoffen wir, mündet in die nicht mehr gestundete, sondern unwiderruflich geschenkte Ewigkeit bei Gott. Der Tod gehöre zu unserem Leben und für uns Christen ist er nicht das Ende, sondern Übergang zu einem Neubeginn. Die Welt erscheine aus dieser Sicht gewissermaßen wie ein Wartezimmer des Todes, aus dem jeder einmal aufgerufen wird. Angesichts des Todes wird das menschliche Dasein zu einem Rätsel, das viele Fragen aufwirft.
Warum müssen wir sterben, was ist nach dem Tod, können wir etwas für den Tod oder dagegen tun, was ist ein guter Tod, kann man beim Sterben etwas falsch machen, gibt es einen schönen Tod ? Fragen über Fragen die sich um das Sterben auftun. Eines ist klar, sterben müssen wir alle. Aber gerade für den Tod macht es einen großen Unterschied ob wir glauben oder nicht. Für Atheisten ist das Sterben ein Auslöschen und Sinken in das dunkle unergründliche Loch des Nichts.
Anders verhalte sich das bei gläubigen Menschen. Wer als Gläubiger täglich das „Gegrüßt seist du Maria“ betet, tut eigentlich alles was man tun könne, um sich auf das Sterben vorzubereiten. Denn im zweiten Teil dieses Gebetes heißt es: „Heilige Maria Mutter Gottes bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes“. Dies bedeute nichts anderes, als Maria um Gottes Hilfe anzuflehen, jetzt den Willen Gottes recht zu erfüllen und in der Stunde unseres Todes, die eine Stunde der Anfechtung ist, und die Würfel des Lebens endgültig fallen, die niemand mehr neu werfen kann. Als Christen sollen wir uns immer das letzte Ziel des Lebens vor Augen halten. Um bereit zu sein sollen wir in jeder Lebensphase die Gottesmutter um ihre Hilfe jetzt und in der Stunde unseres Todes bitten. Das Sterben an sich gehe von selbst, wenn man den biologischen Prozess betrachtet. Was aber die innere Einstellung dazu betrifft, sei Golgatha die Schule in der man lernen könne, was nötig ist gut zu sterben. Drei Gestalten sind es die dort sterben. Der linke Schächer demonstriert in seiner Verhärtung die Verkörperung des falschen Sterbens. Der rechte Schächer sei unser Mann, der uns zeigt wie man sterben soll. Er erkennt angesichts seines Todes was richtig ist und dass Gott uns nicht Unrecht tut. Christus sehne sich danach, jedem Sterbenden sagen zu dürfen: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“. Der dritte der auf Golgatha stirbt ist Christus selber und er tut es mit den Worten: „Vater in deine Hände lege ich meinen Geist“. Dadurch hat Jesus den Tod in Segen verwandelt und in dem Glauben daran lasse es sich gut sterben.
Zum Gedenken an die im letzten Jahr Verstorbenen wurde das Allerheiligste ausgesetzt und während Pfarrer Tauer die Namen der 23 Verstorbenen verlas, wurde jeweils eine Kerze angezündet.
Eine kaum zu überblickende Schar von Menschen begab sich dann auf dem Friedhof zu den Gräbern ihrer verstorbenen Angehörigen. Neben den Fürbittgebeten, die Pfarrer Johann Tauer vortrug umrahmte der Kirchenchor mit mehreren Liedern den Gräbergang und die Segnung der Gräber mit Weihwasser und Weihrauch.
 
 
Bericht vom 03.11.2018

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