Rimbacher Ministranten erkundeten den Hohenbogen


Wanderung zu den Natotürmen, Besichtigung der ehemaligen Abhöranlage und zum Abschluss ging es auf die Rodelbahn

 
 
Zu einem erlebnisreichen Tag wurde der diesjährige Ausflug der Rimbacher Ministranten am vergangenen Donnerstag. Eigentlich war es ja eine Alternative nachdem eine früher geplante Bootsfahrt wegen der schlechten Witterung abgesagt werden musste, aber die Alternative wurde zu einem interessanten Ausflug in die jüngere Geschichte des Grenzlandes als es den sogenannten „Kalten Krieg“ gab. Die Natotürme auf dem Schwarzriegel am Hohenbogen wurden besichtigt und dabei vermittelte Horst Schreiner viel Wissenswertes über deren Entstehung und Nutzung. Nach der Mittagspause im Gasthaus Schönblick ging es zur Rodelbahn wo der erlebnisreiche Tag mit rasanten Fahrten endete.
  Nicht auf´s Wasser zu einer Kanufahrt, wie es ursprünglich geplant war dann aber wegen der ungünstigen Witterung abgesagt werden musste,  sondern zum Wandern auf den Hohenbogen ging der diesjährige Ausflug der Rimbacher Ministranten, denen sich einige Minis aus Grafenwiesen und Zenching angeschlossen hatten. Abmarsch war am Vormittag in Lichteneck und von dort führte die Wanderung zunächst über die Bergstraße zur Forstdiensthütte. Mit der mitgebrachten Brotzeit stärkten sich die über 30 Ministranten und Ministrantinnen, die von Pfarrer Karl-Heinz Seidl und einigen Erwachsenen begleitet wurden, für die nächste Etappe. Diese ging dann über den Kammweg mit dem Ziel „Gipfelsteig“ womit die ehemalige Nato-Anlage auf dem höchsten Gipfel des Hohenbogen, dem Schwarzriegel gemeint ist. Die Befürchtung, dass der Weg infolge des Regens am Vortag schwer zu begehen wäre, erfüllten sich nicht, denn auf dem gut ausgeschilderten Pfad gab es keinerlei Hindernisse. Bei den „Natotürmen“ wurden die Minis und ihre Begleiter bereits von Horst Schreiner erwartet, der sie in das Innere des großen Turmes führte. Während die Kinder, für die die Türme seit sie denken können zum Hohenbogen gehören und auch die Worte vom „Kalten Krieg“ wohl mehr oder weniger nur vom Hörensagen bekannt sind, konnten sich die Erwachsenen sehr wohl daran erinnern, was von Anfang der 60er Jahre bis zur Jahrhundertwende auf dem Hohenbogen geschah. Vorher gab es auf dem Hohenbogen nur den Fernsehturm auf dem Burgstall. Dieser war 1952 als Gittermast für die Antennen errichtet worden und wurde dann 1964 durch den Turm aus Stahlbeton ersetzt.  Fast gleichzeitig entstand am Schwarzriegel die Abhöranlage mit den weithin sichtbaren Türmen, wie Horst Schreiner den Besuchern aus Rimbach erklärte. Gespannt verfolgten die Minis die Ausführungen Schreiner´s wozu die Türme die sie seit ihrer Kindheit kennen eigentlich da waren, nämlich nach Osten zu „lauschen“ um zu hören was dort geschah. So hatten sich nach dem Krieg die Bundeswehr, das amerikanische und französische Militär Horchposten eingerichtet. Alle drei Nationen spähten, streng getrennt voneinander, von  hier aus in den  Osten. Während die amerikanische Anlage vor fünf Jahren abgerissen wurde, bestehen der deutsche und französische Horchposten noch. Durch den damaligen Hochsicherheitstrakt ging die Führung in den Schutzraum und zur Atombunkeranlage, die für 50 Personen ausgelegt war.  Im weiteren Verlauf der Führung konnten die verschiedensten Gerätschaften, Antennen, Empfangs- und Aufzeichnungsgeräte  für Abhörtechnik bestaunt werden, die einst im Innern des großen Turmes installiert waren. Ergänzend zu den Ausführungen von Horst Schreiner gab es allerlei über die Geschichte der Abhöranlage zu sehen. Dann ging es über die enge Wendeltreppe hoch bis ins achte Stockwerk des Turmes wo sich aus den Fenstern schon eine großartige Aussicht bot.  Das Angebot für den Rückweg nicht mehr die Treppe, sondern die Rutsche zu benützen wurde mit großem Hallo angenommen und in rasantem Tempo ging es zurück ins Erdgeschoss. Die Bauarbeiten für den großen Turm begannen 1964  und ab Mitte 1967 wurden der Horch- und Peildienst nach Osten aufgenommen. Weil der Platz für weitere Antennen nicht mehr ausreichte wurde 1988 noch der Bau des zweiten Turmes, auch „Baby-Turm“ genannt, begonnen. Mit dem Ende des „Kalten Krieges“ und der Veränderung der Weltlage verlor die Anlage auf dem Schwarzriegel ihre Bedeutung und Aufgabe. Noch für einige Zeit für Ausbildungs- und Übungszwecke genutzt, wurde 2001 entschieden die Anlage aufzulösen und drei Jahre später ging der Fernmeldesektor F außer Dienst. Nachdem vor einigen Jahren Michael Schreiner das Gelände mit den Natotürmen erworben hat, wird es Zug um Zug zur touristischen Nutzung ausgebaut. So entstand 2014 die Außentreppe am großen Turm, wo sich von der Aussichtsplattform in 50 Metern Höhe ein herrlicher Rundumblick bietet. Dies ließen sich die Minis natürlich auch nicht entgehen und erklommen nach Ende der Führung auch noch die 239 Stufen um dann einen herrlichen Ausblick zu genießen. Schön empfanden sie es auch dabei, ihren „Dienstort“ die Pfarrkirche in Rimbach aus der  Vogelperspektive zu sehen.
Nachdem wieder fester Boden unter den Füßen war ging es weiter zum Gasthaus Schönblick, wo von den Wirtsleuten der Platz zum Mittagessen reserviert war und nach den doch auch etwas anstrengenden Unternehmungen das Essen hervorragend schmeckte. Gut gestärkt wurde dann die letzte Etappe in Angriff genommen und zur Rodelbahn gewandert. Nach einigen rasanten Talfahrten standen mehrere Autos von Eltern bereit, die den Rückfahrdienst übernahmen. Ein durchaus erlebnisreicher  und schöner Tag für die Ministranten und ihre Begleiter.
 
 
Bericht vom 09.09.2017
 

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