Advents- und Weihnachtszeit kennt viele Bräuche


Frauenbund hatte zu unterhaltsamer Adventswanderung mit Maria Müller eingeladen -

 
 
Unterhaltsam, informativ und teils auch mystisch war eine Adventswanderung, zu der der Frauenbund Rimbach am vergangenen Dienstag alle Interessierten eingeladen hatte. Als Referentin hatte man wieder Maria Müller gewonnen, die bei der Wanderung über Advents- und Weihnachtsbräuche, Los- und Rauhnächte erzählte. Nach Einbruch der Dunkelheit war, ausgerüstet mit Laternen, Fackeln oder Taschenlampen Abmarsch im Mehrgenerationenpark. Von dort folgte man dem neuen Wanderweg zum ehemaligen Freibad und wieder zurück zum Dorfplatz. 
   Knapp zwanzig Interessierte hatten sich am vergangenen Dienstag zu einer Abendwanderung im Mehrgenerationenpark eingefunden, die der Einladung des Frauenbundes gefolgt waren. Anette Pielmeier brachte darüber ihre Freude zum Ausdruck und begrüßte besonders die Referentin Maria Müller aus Lohberg, die den meisten der Teilnehmerinnen bereits aus früheren Veranstaltungen bekannt war. Vom Startpunkt weg führte die Wanderung entlang des neuen Wanderweges zum früheren Freibad und dann wieder zurück ins Dorf. Unterwegs wurden immer wieder kurze Pausen gemacht, bei denen die Referentin über Advents- und Weihnachtsbräuche erzählte. Die Bräuche die es um diese Zeit gibt, haben ihren Ursprung teils bis im 18. Jahrhundert, ja manche sogar schon im Mittelalter. Während manche nicht mehr so bekannt sind, seien andere gar nicht mehr wegzudenken. Gerade auch Erzählungen und Geschichten stammen aus einer Zeit in der es noch keinen Fernseher, kein elektrisches Licht oder Smartphones gab. Zu der Zeit saßen die Menschen am Abend in der Stube zusammen. Nachdem „Kathrein den Tanz eingestellt hatte“ gab es keine öffentlichen Veranstaltungen mehr und die langen, dunklen Winterabende wurden genutzt um Federn zu schleißen, Wolle zu spinnen oder Kleidung zu flicken, während die Männer Holzarbeiten verrichteten und die Werkzeuge in Ordnung brachten. An solchen Abenden wurden dann auch Gruselgeschichten erzählt, über Ereignisse die man sich nicht vorstellen konnte und als übernatürlich galten. Dass Menschen, die bei der Dunkelheit unterwegs waren, oft über Unerklärliches ja Unheimliches berichteten gehörte zu den Weizgeschichten, die gerne erzählt wurden.
  Advent und Weihnachten seien aber schon und gerade für Christen eine besondere Zeit, die trotz Hektik auch besondere Gefühle weckt und in den Familien und auch in der Kirche besondere Rituale gepflegt werden, bereiten wir uns doch auf die Geburt Christi vor. Fasten und gute Taten gehörten und gehören zu dieser Zeit. Die Tage bis Weihnachten werden gezählt und die Erwartung immer größer. So entstand im Jahr 1839 im  „Rauen Haus“, einem Hamburger Kinderheim, der erste Adventskranz. Ein mit Tannengrün umwickeltes Wagenrad mit 24 Kerzen. Es dauerte aber noch geraume Zeit bis der Adventskranz auch in die Kirchen kam. Erst 1925 wird in einer Kirche in Köln ein Kranz mit vier Kerzen erwähnt. Der Adventskranz ist heute gar nicht mehr wegzudenken. Kurz nach 1900 wurden auch Adventskalender, natürlich in einer einfachen Form aus Papier gefertigt, um die Tage bis Weihnachten sichtbar zu machen. Einige Jahre später gab es dann Adventskalender mit Türchen und Bildern und wieder später mit Schokolade. Wenn es heute Adventskalender mit allen möglichen Inhalten gibt, habe dies nichts mehr mit dem ursprünglichen Sinn zu tun sondern diene dem Konsum oder Werbezwecken.
Auch das Plätzchenbacken sei typisch für diese Zeit vor Weihnachten. Anfangs war das Kletzenbrot typisch, wo dem Brotteig getrocknete Früchte zugemischt wurden. Vorläufer für die Lebkchen gab es schon bei den ägyptischen Pharaonen in Form von Honigküchlein. Im Mittelalter wurden vor allem in den Klöstern, dort hatte man auch Bienen und damit Honig, nach streng gehüteten Rezepten und mit besonderen Gewürzen Lebkuchen hergestellt. An weiteren Stationen sprach die Referentin dann auch die bekannten Heiligen in der Adventszeit an, so den hl. Nikolaus und die hl. Luzia. Gerade bei der Luzia gebe es zwei verschiedene Arten. Während die Heilige und Märtyrerin als Lichtträgerin und Wohltäterin für die Verfolgten in den Katakomben von Syrakus verehrt wird, gab es in unserer Gegend die „bluatige Luzier“ die als Schreckgestalt in die Häuser kam und drohte mit Messern, Scheren und Sichel den Kindern den Bauch aufzuschneiden. Eine weitere Schreckgestalt war die „Howagoas“  die vor allem die Buben die zu lange draußen waren jagte. Auch der hl. Thomas wurde in unserer Gegend mit dem „bluadigen Thama mit dem Hamma“ verunglimpft, der den Kindern mit einem Hammer den Kopf einschlägt. Der Thomastag am 21. Dezember war aber auch der letzte Schlachttag vor Weihnachten, an dem es den Gänsen und Schweinen an den Kragen ging.  Zugleich ist es aber auch die erste Rauhnacht, wenn die „Wilde Jagd“ unterwegs ist. Dass gerade als die Referentin von den Schreckgestalten erzählte der Vollmond über dem Hohenbogen aufging und durch die Nebelschleier leuchtete, war dies schon eine etwas mystische Stimmung.  Weitere Rauhnächte sind am 24. Dezember, Silvester und vor Heilig Dreikönig. Zu den Rauhnächten durfte keine Wäsche an der Leine hängen, auch wurden die Häuser mit Weihrauch ausgeräuchert um das Böse abzuschrecken. Mancherorts werden auch in Weihwasser getauchte Schneebälle über die Häuser geworfen um den Schutz dafür zu erbitten. Auch das Frauentragen im Advent, das „Kindlein wiegen“ oder die Weihe des Johanneswein am 27. Dezember wurden erklärt. Weiteres Brauchtum rankt sich um den Dreikönigstag, etwa das Sternsingen oder auch das Beschenken, denn anderswo bringen die Hl. Dreikönige die Geschenke. Mit Lichtmess endet dann die weihnachtliche Festzeit und spätestens  dann soll auch der Christbaum aus den Häusern verschwinden. Lichtmess war auch der Tag an dem früher die Dienstboten den Arbeitsplatz wechselten und Wachsstöckerl verschenkt wurden. Mit all den interessanten Gechichten und Erzählungen war man dann am Dorfplatz angekommen, wo unter dem großen Christbaum die Adventswanderung endete. Auch über den Christbaum wusste Maria Müller noch einiges zu erzählen, bevor Anette Pielmeier für diese interessante, lehrreiche und teils mystische Wanderung dankte und die Teilnehmer noch mit Glühwein und Lebkuchen bewirtet wurden.
 
 
 
Bericht vom 13.12.2019
 

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