32. Sonntag im Lesejahr B

Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein (Mk 12,42)

Aus dem Markusevangelium (12,38-44)

 

In jener Zeit lehrte Jesus eine große Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt,

und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben.

Sie bringen die Witwen um ihre Häuser und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Aber um so härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.

Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel.

Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein.

Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern.

Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hergegeben; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles gegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

 

 

 

Betrachtung

 

Jesus, du stellst mich heute vor zwei entgegengesetzten Haltungen, zwei Modelle, verkörpert von zwei Kategorien von Personen;

von den Schriftgelehrten und von einer armen Witwe.

Die ersteren dürsten nach Lob,

sie lieben Ehrungen und Applaus,

Ehrenplätze in der religiösen Feier und im zivilen Leben,

sie plustern sich auf in weiten Gewändern.

Sie täuschen Ergebenheit und Hingabe vor,

wenn sie künstlich ihr Beten in die Länge ziehen.

Ihre Gier ist grenzenlos,

sie vergreifen sich auf jegliche Weise

zum Nachteil der Armen und Hilflosen

und verschlingen sogar die Häuser der Witwen.

Jesus, du warnst mich vor ihnen,

du warnst mich davor, so zu handeln wie sie,

denn sie sind falsche Lehrmeister.

Aber, Jesus, auch wenn ich Entrüstung empfinde,

muss ich dir bekennen, dass manchmal, in meinem Herzen,

ich sie mit Bewunderung betrachte.

 

Eine gütige, demütige und grenzenlose,

ist die zweite Haltung, die du mir vorstellst.

Eine arme Witwe, bereit Gott und dem Nächsten

alles zu geben, was sie hat, ist das Vorbild, das ich nachahmen soll,

die wahre Lehrmeisterin, der ich folgen soll,

der Prototyp des Glaubens, von dem ich mich inspirieren lassen soll.

Sie hatte zwei Kupfermünzen, sie hätte auch nur eine geben und die andere behalten können, aber sie hat es nicht gemacht,

sie hat beide geschenkt,

ohne etwas dafür zu erbitten.

Sie hat ihre Person und ihre Zukunft der Barmherzigkeit Gottes überlassen.

Wenn der Glaube an diesen Punkt kommt,

ist dein Herz, Jesus, ergriffen,

denn du siehst, dass Gott geliebt ist,

und er ist geliebt aus sich selbst heraus,

er ist geliebt nur so.

 

Vergib mir, Jesus, denn ich habe nicht den Mut,

mich total in die Waagschale zu werfen, wie sie es gemacht hat,

im Gegenteil, ich wage, es als Naivität zu beurteilen,

für mich ist sie eine Frau,

die etwas Unbedachtes getan hat.

Meine Spenden sind

gut eingeordnet in eine gesunde Bilanz.

Gerne mache ich sie bei der Steuer geltend.

Ich schenke Dir nur etwas von meinem Überschuss,

und das häufig auch nur schweren Herzens:

sicher ist das nicht die Weise,

dich als meinen Gott zu bekennen!

Hilf, Jesus, dass alle meine Gaben

ein Geschenk meines Lebens selbst sind,

denn für dich zählt nicht der Schein,

sondern nur die blanke Realität.

Ich urteile nach dem Schein, du schaust auf das Herz.

 

Jesus, mache mich rein von meinem Stolz,

dass ich mich dessen nicht rühme, was ich spende.

Erinnere mich daran, dass der Weg zum

Kreuzesberg Kalvaria auch mit zwei Münzen beginnt

oder mit einem Becher Wasser, dem Durstigen gegeben.

Gib vieles dem, der alles gibt, auch wenn jenes alles wenig ist.

Vor allem gib viel dem, der viel liebt.

Gewähre mir, Jesus, ein reines Herz voller Hingabe,

einen echten Glauben, ein starkes Vertrauen.

Liebe rechnet nicht.

Von der Großzügigkeit lebt die Welt.

23. Sonntag im Jahreskreis

"Effata" d.h. "öffne dich!" und sofort öffneten sich die Ohren und die Zunge löste sich (Mk 7,34)

Aus dem Evangelium nach Markus (7,31-37)

 

Jesus verließ das Gebiet von Tyrus wieder und kam über Sidon an den See von Galiläa, mitten in das Gebiet der Dekapolis.

Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus und bat ihn, er möge ihn berühren.

Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg, legte ihm die Finger in die Ohren und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;

danach blickte er zum Himmel auf, seufzte und sagte zu dem Taubstummen: Effata!, das heißt: Öffne dich!

Sogleich öffneten sich seine Ohren, seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit und er konnte richtig reden.

Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen. Doch je mehr er es ihnen verbot, desto mehr machten sie es bekannt.

Außer sich vor Staunen sagten sie: Er hat alles gut gemacht; er macht, dass die Tauben hören und die Stummen sprechen.

 

 

 

Lieber Jesus, die Geschichte des Taubstummen

bewegt mich im Innersten;

er ist so arm und in seiner Person behindert,

nicht im Stande irgendeine Initiative zu ergreifen;

es sind andere, die ihn zu dir bringen.

Ohne Zögern erhörst du ihr Gebet

und, in unterschiedlicher Weise, durch körperlichen Kontakt,

lässt du den Kranken spüren, dass du dich um ihn sorgst.

Du nimmst ihn an der Hand und führst ihn beiseite.

Die Begegnung mit dir muss wahr sein und tief,

man darf keine Zerstreuung oder Oberflächlichkeit riskieren,

die inmitten der Leute geschehen kann.

Der Taubstumme muss dem Leid entgegentreten

in direkter Konfrontation;

er muss alle Schleier und Masken fallen lassen;

dies ist die notwendige Bedingung,

damit du ihn heilen kannst.

Du legst ihm die Finger in die Ohren und berührst die Zunge

und dann schaust du zum Himmel empor;

wie wenn du alle Kraft und die Liebe deines Vaters schöpfen willst,

sagst du mit tiefer Ergriffenheit: „Effata“, „öffne dich“,

und sofort öffnen sich die Ohren und die Zunge löst sich.

 

Lieber Jesus, wie gleiche ich doch dem Taubstummen,

wenn ich in Sünde lebe und eingeschlossen bin im Egoismus!

Ich kann dich neben mir haben,

du kannst mir die süßesten Worte einflüstern,

aber ich höre sie nicht.

Ich kann die besten Menschen neben mir haben,

die mir aufrichtig helfen möchten,

aber ich bemerke sie nicht.

Ich gehe einher vor einem, der einen Trost braucht,

ein Wort der Hoffnung,

aber es ist, wie wenn ich allein auf der Welt wäre.

 

Jesus, sag es auch zu mir, dein „öffne dich!“,

denn wie viel Zeit verlebe ich eingeschlossen in mich selbst.

Immer wieder bin ich fixiert auf meine Interessen und Absichten,

deine Botschaft der Befreiung lass ich nicht zum Zuge kommen.

Nichts ist schlechter als meine Taubheit:

Der Egoismus und die Überheblichkeit haben meine Ohren

hermetisch verschlossen.

Nichts ist trostloser als meine Stummheit, als meine Unfähigkeit

echte Worte auszusprechen, leuchtende und aufrichtige Worte,

die eine Öffnung zeigen auf dich und den Nächsten hin.

Lieber Jesus, verlass mich nicht in meiner Isolation,

überlass mich nicht meinem trostlosen Unglück;

zerbrich die Ketten, die ich mir selbst geschmiedet habe.

 

Schenke mir – ich bitte dich – die Kraft dich hören zu können

und die Brüder und Schwestern,

die ein Recht haben auf meine Hilfe.

Mach, dass ich Zeit und Geduld habe,

Interesse und Verständnis,

wenn jemand mir etwas sagen will,

ob es sich um ein Kind handelt,

das mir ein Ereignis erzählen will,

ob es sich um einen alten Menschen handelt,

der herauskommen möchte aus seiner Einsamkeit

und etwas von sich und seiner Erfahrung mitteilen will.

Gib mir die Gnade sprechen zu können

in Wahrheit und Liebe, damit ich Sicherheit und Vertrauen gebe;

dass ich bezeuge, wie sehr du die Quelle der wahren Glückseligkeit bist.

Vergib mir alle meine unsinnigen, schlechten und beleidigenden Worte, die ich ausgesprochen habe, die die Gemeinschaft mit den Brüdern und Schwestern beeinträchtigt haben.

 

Lieber Jesus, sage auch mir dein „öffne dich!“,

denn wie lange schon höre ich schon nicht mehr mit lebendigem Glauben dein Evangelium, achte nicht auf deinen Rat,

schöpfe kein Licht aus deinem Wort,

sondern habe als Kompass meines Lebens

das ausgewählt, was mir oberflächlich gefällt.

Lass mich herauskommen aus meiner unfruchtbaren Betrachtung meines Ich, um mich zu öffnen einem Hören voller Sympathie

auf die Menschen, die du mich treffen lässt.

Lass mich Geschmack finden an der Stille und der Meditation,

damit meine Ohren, bedroht vom Lärm und vom oberflächlichem Geschwätz, weniger zerstreut sind und sensibler.

Gib mir den Mut, den Glauben zu bekennen

und von den Wundern zu erzählen, die du vollbringst,

wenn du meine Ohren und mein Herz öffnest,

um den Nächsten wahrzunehmen, anzunehmen, aufzunehmen und mit ihnen und durch sie dich selbst. Amen.

3. Sonntag der Fastenzeit

Jesus machte eine Geißel aus Stricken, und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus (Joh 2,15)

Aus dem Evangelium nach Johannes (2,13-25)

 

Das Paschafest der Juden war nahe und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.

Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Geldwechsler, die dort saßen.

Er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus, dazu die Schafe und Rinder; das Geld der Wechsler schüttete er aus und ihre Tische stieß er um.

Zu den Taubenhändlern sagte er: Schafft das hier weg, macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!

Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.

Da stellten ihn die Juden zur Rede: Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst?

Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.

Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?

Er aber meinte den Tempel seines Leibes.

Als er von den Toten auferstanden war, erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.

Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen, als sie die Zeichen sahen, die er tat.

Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an, denn er kannte sie alle

und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen; denn er wusste, was im Menschen ist.

 

 

 

Jesus, lass mich gänzlich verstehen,

was du im Tempel getan hast.

Es war ein Gestus der Liebe und nicht ein

Handeln aus einer Laune heraus,

wie es mir passiert, wenn ich in Wut gerate.

Du hast es gemacht nach reiflicher Überlegung,

denn es war ein prophetischer Gestus;

erst nach der Auferstehung

haben es deine Apostel verstanden.

 

Du hast nicht beabsichtigt nur den Tempel zu reinigen

und daran zu erinnern, dass er Haus des Gebetes war.

Die frommen Leute, stolz auf ihren Tempel

und auf die schönen Liturgien, die darin gefeiert wurden,

hätten nichts gegen Deine Absicht einzuwenden gehabt.

Aber Du, Jesus, hast dich nicht darauf beschränkt,

das Geld der Geldwechsler auf den Boden zu werfen;

du hast auch Schafe und Rinder aus dem Tempel getrieben,

die notwendig sind für die festgesetzten Opfer.

Was, Jesus, wolltest du wirklich tun?

Mit diesem Gestus, tatkräftig ausgeführt,

hast Du einen Gottesdiensttypus für beendet erklärt,

der nichts mehr darzubringen hatte.

Die Juden protestierten lebhaft dagegen und fragten:

„Wer gibt dir das Recht dazu, so etwas zu tun?

Welches Zeichen lässt du uns sehen?“

Deine Antwort ist provokativ:

„Zerstört diesen Tempel

und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.“

Jetzt gibt es einen neuen Tempel und der ist Dein Leib;

Es gibt ein neues Opfer und das ist Dein Tod am Kreuz.

 

Von jetzt an, wenn ich Gott suchen möchte,

werde ich auf dich schauen müssen

und dein menschliches Sein betrachten,

durch das das Bild Gottes durchscheint.

Wenn ich ein Gott wohlgefälliges Opfer darbringen möchte,

dann werde ich kein Geld ausgeben müssen,

um Tiere zu kaufen, die darzubringen

wären in Brand- und Schlachtopfern.

Dein Leib, geopfert am Kreuz,

dein Blut, ausgesprengt für das Heil aller

ist das Gott wohlgefällige Opfer.

Jesus, du lädst mich ein diese Logik zu erfassen

und bittest mich

die Bedeutung und das Gewicht der Liturgie zu reduzieren.

Der Kult ist nicht mehr das Absolute,

sondern ist dem Glauben und Leben untergeordnet.

Eines Tages, als Du am Brunnen von Sichem warst,

hast du der Samariterin erklärt,

dass es keine heiligen Orte mehr geben wird um Gott anzubeten:

Man wird weder nach Jerusalem gehen müssen

noch auf den Berg Garizim, denn

der wahre Kult, der wahre Gottesdienst

ist jener, der im Geist und in der Wahrheit geschieht.

 

Jesus, schenke mir die Gnade,

mich mit Dir, zusammen mit Dir, darzubringen,

um ein Gott wohlgefälliges Opfer zu sein.

Lass mich verstehen, dass die wahre Liturgie,

jene, die Gott verherrlicht,

nicht die der Riten und der Feiern ist,

sondern jene des Lebens, bekleidet mit der Liebe,

mit Gottvertrauen und dem Dienst am Nächsten,

wie Du es gemacht hast, gehorsamer Knecht.

Vergib mir, bitte, denn oft

mache ich es schlechter als die Händler im Tempel;

ich komme in die Kirche nicht um dich mit offenem Herzen zu hören,

sondern um dich unter Anklage zu stellen;

ich komme in die Kirche, um dich immer

um irgendwelche Dinge zu bitten und nie

um dir zu schenken, was du von mir erbittest.

Danke, Jesus, denn bis jetzt

hattest du Geduld mit mir

und hast nicht die Geißel herausgezogen,

wie du es mit den Händlern im Tempel gemacht hast;

ich hätte es verdient wie sie

und vielleicht mehr als sie.

2. Sonntag der Fastenzeit

Rabbi, es ist schön für uns hier zu sein (Mk 9,5)

Aus dem Evangelium nach Markus (9,2-10)

 

Jesus nahm Petrus, Jakobus und Johannes beiseite und führte sie auf einen hohen Berg, aber nur sie allein. Und er wurde vor ihren Augen verwandelt;

seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.

Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose und sie redeten mit Jesus.

Petrus sagte zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija.

Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte; denn sie waren vor Furcht ganz benommen.

Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie, und aus der Wolke rief eine Stimme: Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.

Als sie dann um sich blickten, sahen sie auf einmal niemand mehr bei sich außer Jesus.

Während sie den Berg hinabstiegen, verbot er ihnen, irgendjemand zu erzählen, was sie gesehen hatten, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden sei.

Dieses Wort beschäftigte sie und sie fragten einander, was das sei: von den Toten auferstehen.

 

 

 

 

„Rabbi, es ist schön für uns hier zu sein!“

Ja, Jesus, es ist schön mit dir auf dem Tabor zu sein

und dich zu sehen in all dem Glanz

deiner Herrlichkeit des Sohnes Gottes.

So groß ist dein Glanz,

dass Petrus, Jakobus und Johannes,

die drei glücklichen Jünger,

es nicht beschreiben können,

den Widerschein des Gewandes, das du trägst.

Wenn sein Glanz alle menschlichen

Möglichkeiten übersteigt,

wie wird dann erst deine Schönheit sein als Sohn Gottes?

 

Jesus, in deiner Verklärung

sehe ich das, worauf alles hinausläuft,

die Kraft, die von Anfang an alles bewegt.

Hier erreicht die Schöpfung jene Schönheit,

die Gott vorherbestimmt hat;

hier berühre ich mit der Hand die Verwirklichung

aller Versprechen Gottes.

Dein verklärtes Angesicht sehen

ist mein wahres Leben;

denn „wir alle spiegeln mit enthülltem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn wider und werden so in sein eigenes Bild verwandelt, von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, durch den Geist des Herrn.“ (2 Kor 3,18)

 

So viele Male habe ich mich gefragt:

„Welchen Ausgang wird mein Leben haben?

Was wird mit mir sein nach dem Tod?“

Dein Angesicht, Jesus, ist es, in dem sich

die Schönheit und die Liebe des Vaters widerspiegelt;

es ist die Erfüllung des Heilsplanes;

dein verklärtes Angesicht ist mein wahres Angesicht,

denn für dich und unter deinem Blick

bin ich geschaffen worden;

ich bin vorherbestimmt, dein Ebenbild zu sein (Kol 1,15).

Die Herrlichkeit deines göttlichen Angesichts

ist das Licht meines Lebens,

die Wirklichkeit, auf die hin ich auf dem Weg bin.

In dir, Jesus, kann ich mich freuen,

am Reich, das schon mit Macht gekommen ist;

in dir sehe ich die Erstlingsgaben

des Sieges über den Tod.

 

Die Stimme des Vaters ermutigt meinen wackeligen Glauben

und erinnert mich daran, dass dein Angesicht betrachten

auch bedeutet, deine Stimme zu hören,

hinter dir herzugehen.

Bald, Jesus, werden dich die führenden Köpfe

des Volkes ablehnen, du wirst misshandelt,

verurteilt zum Tode; den langen Kreuzweg

wirst du alleine durchstehen müssen.

Dein strahlendes Angesicht der Herrlichkeit wird

entstellt sein von Schmerzen und Leiden,

die man nicht anschauen kann.

Werde ich es sehen können, deine Herrlichkeit des

gehorsamen Sohnes, die aufstrahlt auf dem Holz des Kreuzes?

Werde ich ihn wieder erkennen können, den Weg deiner Liebe?

Werde ich die Kraft haben, dir wieder zu folgen?

 

Petrus möchte sich an diesem Augenblick festhalten,

vom Berg nicht mehr hinuntersteigen,

dem Alltag, der Dunkelheit, dem Leiden entfliehen.

Aber die Herrlichkeit, Mose und Elija verschwinden;

allein du bleibst, Jesus,

du allein die Wahrheit, das Leben, der Weg des Heiles

im Drama unseres Alltags.

Jesus, wenn du mich einlädst das Kreuz zu tragen

und mit dir auf den Berg zu steigen,

erschrecke ich, denn ich denke vor allem

an die Mühe und an das Leid:

lass mich erahnen,

dass Golgota kein Ort ist,

an dem ich für immer bleiben muss,

sondern nur ein unumgänglicher Durchgang,

um zur Freude der Auferstehung zu gelangen.

Dein Wort, Jesus, ist die einzige Ressource,

die ich habe, um den Hindernissen entgegenzutreten,

die Müdigkeit und Enttäuschung

auf meinen Weg säen:

Schenke mir, bitte, die Sehnsucht danach,

immer dieses Wort zu vernehmen

und ein Herz, das von Ruhe erfüllt ist, um es aufzunehmen.

1. Fastensonntag

Der Geist trieb ihn in die Wüste und er blieb dort 40 Tage. (Mk 1,12-13)

Aus dem Evangelim nach Markus (1,12-15)

Da trieb der Geist Jesus in die Wüste.

Dort blieb Jesus vierzig Tage lang und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes

und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

 

 

 

Auch dieses Jahr, Jesus, schenkst du mir die Gnade

zusammen mit der ganzen Kirche einen Weg

der Bekehrung und der geistlichen Erneuerung zu gehen.

Hilf mir, ich bitte dich, mit ganzem Herzen

deine Vergebung zu ersehnen, die,

wie eine neue Schöpfung,

mir wieder Freude und Hoffnung gibt.

Mach, dass die äußeren Bußübungen

der Aufrichtigkeit der Seele entsprechen

und Werke folgen lassen.

Wem dient es nämlich „die Kleider zu zerreißen“,

wenn mein Herz fern bleibt von dir?

 

Du bist gut, Jesus, und groß ist deine Barmherzigkeit

Unendlich und ergreifend ist dein Feingefühl:

Um mir in der Prüfung zur Seite zu stehen,

hast du dich der Versuchung ausgesetzt

und du hast den Sieg davongetragen.

Könnte ich Gott treu sein, wie du es gewesen bist?

Du kommst mir immer zu Hilfe, weil ich schwach bin.

Oft vergesse ich dich,

habe keine Lust dich zu hören und dir zu antworten,

denn ich zweifle an deiner Liebe.

Andere Male suche ich das zu vermeiden, was Mühe kostet,

wie wenn der, der sich weniger bemüht, zufriedener wäre.

Zeiten verbringe ich, in denen ich keine Lust habe zu beten;

mir scheint, dass nichts Bedeutung habe

und dass das, was wichtig ist an Substanz verliert.

Angst habe ich davor mir Zeit zu nehmen, um nachzudenken;

es erschreckt mich das Gefühl innerer Leere;

es ist bequemer in Aktivitäten aufzugehen als meiner Seele

auf den Grund zu gehen.

Ich bitte dich, mein Herr, mach, dass ich nicht

der Versuchung erliege dir den Rücken zuzuwenden,

mach, dass ich mich nicht blenden lasse

von sekundären und banalen Dingen,

die weder Glückseligkeit noch Rettung versichern.

 

Heute, Jesus, ist es schwierig dein Jünger zu sein!

Der herrschende Individualismus schafft

Einsamkeit und Depression,

während Verständnis und Vergebung

immer mehr etwas wird, was man sich erkauft.

So ist die heutige Gesellschaft, trotz ihres Aktivismus,

eine wahre Wüste geworden:

eine Wüste, die immer innerlicher wird,

weil sie ins Herz dringt, es austrocknet

und zur Gleichgültigkeit und Gewalt führt.

Aber dein Geist drängt mich, trotz meiner Ängste

mich einzulassen mit neuer Verantwortlichkeit

in die Umwelt, in der ich lebe, dass „diese Wüste“

zur Gelegenheit wird um mein Herz zu erneuern,

um es weit zu machen und es zu erfüllen mit Gedanken der Güte,

der Barmherzigkeit und des Wohlwollens gegenüber allen.

 

In dieser Fastenzeit, Jesus,

schaust du mich barmherzig an,

und du lädst mich ein zu dir zurückzukehren,

um mit dir den Traum von einer neuen Welt zu verwirklichen.

Mit großem Vertrauen verkündest du mir, dass

„die Zeit erfüllt ist“,

der große Wendepunkt der Geschichte ist erreicht.

Die wahre Glückseligkeit ist mit der Hand zu greifen,

denn „das Reich Gottes ist nahe gekommen“.

„Bekehre dich und glaube an das Evangelium“

ist die Ermahnung, die sich an mich richtet.

Bekehre mich: das ist mein Vorsatz für die Fastenzeit:

Dich an die erste Stelle in meinem Leben zu stellen,

mich begeistern zu lassen von deinem Evangelium,

von der frohen Botschaft des Himmelreichs.

 

Jesus, du bist der Bezugspunkt

und das Vorbild für meine Fastenzeit.

Du bist der Erlöser,

du bist gekommen, um gegen die Gottesferne

der Welt anzugehen.

Du bist gekommen, um die Rückkehr der

Menschheit ins verlorene Vaterhaus anzubahnen.

Es ist wunderbar, dich in der Wüste zu betrachten,

während du „ unter den wilden Tieren lebst und die Engel dir dienen“.

Endlich ist der Friede wieder hergestellt

zwischen Mensch und Schöpfung,

zwischen Himmel und Erde.

Hilf mir in dieser Fastenzeit Räume der Ruhe zu schaffen,

damit es mir gelingt meine Schwachheit zu erkennen,

und ich aus der Tiefe meines Elends dir zurufe:

Ich brauche deine Liebe und deine Vergebung,

ich brauche deinen Frieden, o Herr.

Aschermittwoch

Lasst uns hinaufsteigen nach Jerusalem (Mk 10,33)

Aus dem Evangelium nach Matthäus (6,1-6.16-18)

 

Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.

Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.

Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

 

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,

damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

 

 

 

„Gehen wir jetzt nach Jerusalem hinauf“ (Mk 10,33)

Mit diesen Worten, Jesus, lädst du mich ein

dir auf dem Weg des Kreuzes zu folgen,

wo sich deine erlösende Mission verzehren wird.

Mit Nachdruck richtest du heute diese Einladung an mich,

am Anfang der österlichen Bußzeit,

eine gute Zeit, mich zu bekehren

und die volle Gemeinschaft mit dir wiederzufinden.

 

Wie soll ich ernsthaft deine Einladung

zur Bekehrung annehmen?

Wie soll ich es machen, damit dein Wort

sich in meinem Leben, meiner Existenz auswirkt,

dass es auch die entlegensten und dunkelsten

Winkel meines Gewissens erleuchtet?

Wie soll ich eine ernsthafte Lebensänderung verwirklichen?

Befreie mich, Jesus, von der Trägheit und von der Gewohnheit,

die mich niederdrücken im Grau des Alltäglichen.

Gib mir, ich bitte dich, die Gnade, dem

Gebet nachgehen zu können in brennender

und vertrauensvoller Weise;

schenke mir eine erneuerte Erfahrung

deiner Barmherzigkeit,

die Liebe immer fröhlicher anzunehmen,

die du für mich bereithältst.

 

Bewirke, Jesus, dass ich diese Fastenzeit lebe

nicht als eine Zeit der Traurigkeit und des Verzichts,

sondern als Geschenk, als Gnade,

als Gelegenheit, um wiederzufinden das Gefühl,

die Harmonie und die Schönheit meiner Existenz.

Mach, dass diese österliche Bußzeit

wie ein sehr schöner Frühling ist.

 

Die Bekehrung, zu der du mich rufst,

ist nicht nur demütiges Bekenntnis der Sünden,

sondern vor allem eine Veränderung des Geistes,

eine neue Art das Leben zu betrachten und zu leben.

Du willst, dass ich mehr in die Höhe blicke

als in die Tiefe,

dass ich nicht so sehr auf den Misserfolg schaue,

sondern auf das, was deine Gnade möglich macht.

Du kannst mein Herz verändern

und den Willen erneuern.

 

„Kehrt um zu mir mit ganzem Herzen“:

Das ist die Einladung, die du durch den Propheten Joel

in vergangenen Zeiten an dein Volk gerichtet hast.

Heute ist es die gleiche Einladung, jetzt durch die Kirche,

du wiederholst sie mir, damit ich mich anschicke

den Weg der österlichen Bußzeit einzuschlagen.

 

„Umkehren“, das heißt mich auf den Weg zu machen,

indem ich alle Situationen des Stillstands hinter mir lasse,

mit Entschiedenheit mich dem Weg stelle.

„Umkehren“, das heißt mich ergreifen zu lassen

von der Sehnsucht nach deinem Angesicht

und in deine Arme zu sinken,

voller Zärtlichkeit.

„Umkehren“, das heißt die Zeit finden,

echte Gemeinschaft mit dir wieder aufzunehmen,

anstelle einer Gemeinschaft, die jetzt noch so dunkel und trübe ist

vom Grau meines Glaubens

und von der Kälte meines Herzens.

 

Jesus, befreie mich von dem Druck

nach tagtäglichen Bedürfnissen,

die sich als Notwendigkeiten zeigen,

die zu befriedigen sind,

mir aber nicht ein wirklich erfüllendes Gefühl

meiner Existenz vermitteln.

Erwecke wieder, Jesus, in mir die großen Energien,

die meine Sünden schläfrig und trüb

gemacht haben.

Ich werde fasten, Herr, um den Hunger nach dir zu spüren,

denn ich bin gesättigt von so vielen Dingen,

aber das Wesentliche fehlt mir.

Ich werde mich zum Nächsten dessen machen,

der arm ist, zu Hilfe eilen und trösten;

aber wie viele Tricks habe ich auf Lager

um die Bedürfnisse der Mitmenschen

nicht zu sehen.

Hilf mir, Jesus, in meinem Herzen zur Ruhe zu kommen,

denn so viele Male hast du

an meine Tür geklopft,

und ich habe deine Stimme nicht gehört.

6. Sonntag im Jahreskreis

"Wenn du willst, kannst du mich rein machen". Er hatte Mitleid ... und sagte ihm: "Ich will es, werde rein!" (Mk 1,41)

Aus dem Evangelium nach Markus (1,40-45)

 

Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe; er fiel vor ihm auf die Knie und sagte: Wenn du willst, kannst du machen, dass ich rein werde.

Jesus hatte Mitleid mit ihm; er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte: Ich will es - werde rein!

Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz und der Mann war rein.

Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein:

Nimm dich in Acht! Erzähl niemand etwas davon, sondern geh, zeig dich dem Priester und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat. Das soll für sie ein Beweis (meiner Gesetzestreue) sein.

Der Mann aber ging weg und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war; er verbreitete die ganze Geschichte, sodass sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte; er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf. Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.

 

 

Gebet

 

 

Wie der Aussätzige, gehe auch ich, Jesus,

vor dir auf die Knie,

und ich bitte dich mit ganzem Herzen:

„Wenn du willst, kannst du mich heilen“.

Du bist der Immanuel, der Gott mit uns.

Du bist Mensch geworden, um mir zu offenbaren, dass Gott nahe ist:

Nahe dem, der leidet,

nahe dem, der bedrängt wird vom Bösen,

nahe dem, der sich niedergeschlagen und allein fühlt.

Du hast keine Angst davor mit Krankheiten in Kontakt zu kommen,

mit dem Bösen, so verborgen und geheim es auch sein mag,

mit der vielfältigen Wirklichkeit der Sünde.

Du bist ein demütiger Messias,

ein Messias, der es vorzieht zu heilen,

anstatt zu richten und zu verurteilen,

ein Messias, der nicht Rituale des Ausschlusses verfolgt

sondern Taten der Annahme und der Befreiung vollbringt.

 

Jesus, ich lobe und preise dich

wegen des Evangeliums, das du mir verkündest,

wegen die guten Nachricht, die du mir zurufst:

„Gott liebt dich,

denn er ist Vater und er meint es gut mit dir;

dein Elend ist kein Hindernis,

im Gegenteil, es ist das Maß seiner Barmherzigkeit.“

Du offenbarst mir, dass Gott kein Gesetz ist, das mich richtet

und kein Gewissen, das mich verurteilt;

er ist der Vater, der das Leben gibt

und er liebt mich mehr als sich selbst,

ohne Bedingungen, so wie ich bin.

 

Du, Jesus, hattest keine Angst vor Ansteckung;

sondern voller Mitleid hast du dich dem Aussätzigen genähert,

du hast ihn berührt mit unendlicher Feinfühligkeit

und ihm gesagt: „Ich will es, werde gesund!“

Nur die Ausgeschlossenen, die, die keine Rechte haben

sie finden sofort Zutritt zu dir.

Meine Grenze – all das Böse, Schlechte, Krankhafte und meine Sünde – ist der Ort, wo ich mit dir in Kontakt komme.

Im Abgrund meines Elends

bin ich berührt von deiner grenzenlosen Barmherzigkeit.

Es ist deine Wahl der Liebe

und es kümmert dich nicht, wenn diese Wahl

dich ans Kreuz bringen wird.

 

Aber, Jesus, du willst nicht, dass ich dem Missverständnis verfalle,

dich als einen erfolgreichen Heiler und triumphalen Messias zu betrachten, ihm anzuhängen mit oberflächlichem Glauben.

Du willst nicht, dass ich mich an einen Gott klammere

als einen „Lückenbüßer“,

der schnell all meine Probleme löst.

Erwartungen dieser Art waren im Herzen

der Leute verwurzelt, die dich in deinem

Wirken beobachtet haben

und sie sind auch noch heute in meinem Herzen verwurzelt.

Die Strenge mit der du den Aussätzigen zum Schweigen aufforderst

entspricht direkt der Radikalität meiner Erwartung,

die wie ein hartnäckiges Bedürfnis,

ständig wächst

und mich vor Gott stellt mit meinen

aufdringlichen, anspruchsvollen und verspäteten Bitten.

Wenn ich nur mit dir auf den Kalvarienberg steige,

wenn ich mich nur vertrauensvoll den Händen Gottes überlasse,

wenn Leid sich dunkel auf das Gesicht des Vaters legt,

dann nur werde ich wahrhaftig meinen Glauben ausrufen können

und verkünden, dass du der Herr meines Lebens bist.

 

Jesus, du hast dich gezeigt als ein Messias,

der es vorzieht lieber zu heilen als zu verurteilen;

befreie mich vor der Gefahr eines leichtfertigen Urteils

mit dem ich Personen und Situationen bewerte,

die sich außerhalb meines Schemas befinden.

Mach mich aufmerksam für alle Möglichkeiten,

die du mir gibst um für andere eine Quelle der Heilung zu sein.

Jesus, du hast dich gezeigt als ein Messias

demütig, arm, rein;

lehre mich, dass es nicht die Macht der Strukturen ist,

die die Welt rettet,

sondern die Liebe, das Teilen und der Dienst.

So bitte ich dich: Lass mich alle Tage immer mehr

hineinfinden in diese deine Sicht der Dinge.

Amen.

5. Sonntag im Jahreskreis

Er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten (Mk 1,34)

Aus dem Evangelium nach Markus (1,29-39)

Sie verließen die Synagoge und gingen zusammen mit Jakobus und Johannes gleich in das Haus des Simon und Andreas.

Die Schwiegermutter des Simon lag mit Fieber im Bett. Sie sprachen mit Jesus über sie,

und er ging zu ihr, fasste sie an der Hand und richtete sie auf. Da wich das Fieber von ihr und sie sorgte für sie.

Am Abend, als die Sonne untergegangen war, brachte man alle Kranken und Besessenen zu Jesus.

Die ganze Stadt war vor der Haustür versammelt,

und er heilte viele, die an allen möglichen Krankheiten litten, und trieb viele Dämonen aus. Und er verbot den Dämonen zu reden; denn sie wussten, wer er war.

In aller Frühe, als es noch dunkel war, stand er auf und ging an einen einsamen Ort, um zu beten.

Simon und seine Begleiter eilten ihm nach,

und als sie ihn fanden, sagten sie zu ihm: Alle suchen dich.

Er antwortete: Lasst uns anderswohin gehen, in die benachbarten Dörfer, damit ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen.

Und er zog durch ganz Galiläa, predigte in den Synagogen und trieb die Dämonen aus.

 

 

 

Gebet

 

Manchmal, Jesus, treffe ich Menschen,

deren Leben besteht

in einer ständigen Aufeinanderfolge

von Leiden.

Bedrückt vom Schmerz fragen sie mich:

Wie kann man an die Güte Gottes glauben,

im Kontext ständiger Traurigkeit?

Was kann der Sinn des Lebens sein,

wenn Schmerz und Leid es verdunkeln?

 

Du bist gekommen, Jesus, um die gute Nachricht zu verkünden,

dass Gott immer das Rufen der Armen hört,

er kennt ihre Leiden,

und in seiner Barmherzigkeit hat er entschieden

sich persönlich darum zu kümmern,

auf der Erde sein Reich aufzurichten.

Die Leute sind erstaunt von deiner Predigt,

von deiner Nähe denen gegenüber, die leiden

und von deinen Gesten des Heils.

 

Deine Tage sind ein Aufeinanderfolgen von Verpflichtungen,

hektische Tage, die der Verkündigung des Gottesreiches

gewidmet sind und der Liebe zu den Schwestern und Brüdern.

Du bist das Lamm Gottes.

Du trägst das Leid der Welt;

deshalb entziehst du dich nicht

der Begegnung mit der leidenden Menschheit,

die von dir Befreiung und Heilung erfleht.

Wunderbar ist es, die Feinfühligkeit zu betrachten,

mit der du die Schwiegermutter des Petrus an die Hand nimmst;

es ist wunderbar die grenzenlose Sanftmut zu betrachten,

mit der du sie vom Fieber befreist.

Deshalb bist du Mensch geworden:

Unsere Leiden zu teilen,

unsere Krankheiten zu heilen,

unsere Lebensumstände zu befreien,

aus uns eine neue Menschheit zu machen,

nach dem Bildnis Gottes.

Deine Wunder, o Gott, sind keine Schauspiele der Macht,

sondern Zeichen, die deine Barmherzigkeit offenbaren

und Mittel, um uns fähig zu machen zur Liebe und zum Dienst.

Mit dir ist wirklich das Reich Gottes angekommen.

 

In dir, Jesus, gibt es keine Spur

von jener Sorge und Angst, von jener Beklemmung und Atemnot,

die meine Tage verschlingen

und all meine Aktivität verschlucken.

Rasch kommst du vom Kontakt mit der Menge

zur Ruhe des Gebets.

Andererseits: Was könntest du tun, wenn du nicht

alle Tage in der Gemeinschaft des Willens und der Liebe

mit dem Vater wärest?

Das Gebet ist dein Geheimnis;

das nächtliche Zwiegespräch mit dem Vater

schenkt dir die Kraft dir aufladen zu lassen

alles Leid, das dich umgibt,

allem Unverständnis zu widerstehen und die

Sorgen des apostolischen Lebens auszuhalten.

Im Gegenteil; je mehr die Situation sich verkompliziert,

je bekannter du wirst,

je mehr sich die Verpflichtungen vervielfachen,

umso mehr Zeit widmest du dich dem Gebet.

 

Jesus, du bist der „gute Samariter“

und empfindest es nicht als eine Belästigung

meinen Hilferuf zu hören.

Du nimmst sanft meine Hand;

Du lässt mich spüren geliebt zu sein, wieder aufgerichtet, geheilt.

Auch ich, wie die Schwiegermutter des Petrus,

bin häufig gelähmt vom Fieber

einer übermäßigen Aufmerksamkeit auf mich selbst und

meine Probleme.

Befreie mich von meiner Egozentrik,

Führe mein Herz heraus zum Dienst;

schenke mir deine Milde,

damit ich Linderung bringe

jenen, die bedrückt sind von der Traurigkeit.

Und wenn mich meine und andere Sorgen

und Schwierigkeiten überschwemmen,

lehre mich, Jesus, Zeit und Mut zu finden,

um in der Einsamkeit zu beten

und so wiederzufinden den Sinn meiner Berufung

und die Kraft ihr treu zu bleiben. Amen.

3. Sonntag im Jahreskreis

Die Zeit hat sich erfüllt und das Reich Gottes ist nahe (Mk 1,15)

Aus dem Evangelium nach Markus (1,14-20)

Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, ging Jesus wieder nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes

und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!

Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er Simon und Andreas, den Bruder des Simon, die auf dem See ihr Netz auswarfen; sie waren nämlich Fischer.

Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen.

Sogleich ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm.

Als er ein Stück weiterging, sah er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren im Boot und richteten ihre Netze her.

Sofort rief er sie und sie ließen ihren Vater Zebedäus mit seinen Tagelöhnern im Boot zurück und folgten Jesus nach.

 

Gebet

Die Zeit ist vorbei, in der der Plan Gottes

in den Tiefen armer Herzen verblieb.

Das, was umhüllt schien im Nebel einer nicht

fassbaren Zukunft ist Wirklichkeit geworden,

die man mit der Hand berühren kann.

Jetzt ist der Augenblick der Verkündigung,

eine wunderbare Verkündigung, eine Verkündigung der Freude:

„Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe“.

Nichts ist mehr wie früher,

denn Gott greift ein in eigener Person,

höchstpersönlich,

er setzt sich geradewegs dafür ein,

eine neue Welt zu verwirklichen

frei von all den Bedrückungen,

die so sehr auf den Armen und

den Wehrlosen lasten.

 

Ja, Jesus, das ist der richtige Augenblick,

einen anderen brauche ich nicht zu erwarten:

Gott ist hier um meines Heiles willen

und für das Heil der Welt.

Auch wenn ich es nicht spüre,

auch wenn ich nichts davon merke,

auch wenn die Müdigkeit,

meine inneres Sehen vernebelt.

Gott ist hier und sorgt sich um mich.

 

Um in dein Reich einzutreten, Jesus,

forderst du keine Ehrenurkunden,

auch nicht Zeugnisse über gute Lebensführung

oder Erklärungen über Rechtgläubigkeit.

Das Reich Gottes ist gratis,

nur daran glauben muss ich und es annehmen.

Das, was zählt ist, mich Gott anzuvertrauen

mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele,

bereit, mir das Leben verwandeln zu lassen,

um einzutreten in eine Freude, die alle Hoffnungen übersteigt.

 

„Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“.

Ja, bekehre mich!

Meinen Weg kann ich nicht fortsetzen

wie wenn nichts wäre;

ich muss die Straße wechseln,

Ideen und Gedanken ändern,

ändern das Herz und die Richtung meiner Schritte.

Das Reich Gottes kommt durch deine Initiative, Jesus,

aber der Eingang dazu ist meiner Freiheit vorbehalten.

 

Mit ganzer Kraft bitte ich dich:

Bekehre mein Herz, Jesus.

Mach, dass ich dich suche und

mich von dir geliebt fühle,

denn konkret bedeutet mich bekehren glauben

und glauben ist nichts anderes als dir anhangen,

hinter dir hergehen und mit dir sein.

Wie Simon und Andreas,

wie Jakobus und Johannes,

mach, dass ich die Netze zurücklasse,

alle Netze, die mich binden

und mich daran hindern, mich von dir

lieben zu lassen, Jesus.

 

Herr, lehre mich erkennen

in der Zeit, die du mir schenkst,

die Augenblicke deines Vorübergangs

und schenke mir zugleich die Kraft

mit Begeisterung auf dein Wort zu antworten.

Gegen alles, was in der Welt erscheint

als Zeichen der Verzweiflung und des Todes,

bewahre mich in der Gewissheit,

dass dein Reich immer nahe ist

und seine Grenzen ins Unendliche reichen.

Befreie mich von der Trägheit, die mich lähmt.

Öffne mich zur Überzeugung hin, dass es

möglich ist, immer, jeden Tag, eine neue Welt aufzubauen,

alternativ zum Reich des Egoismus,

eine neue Welt, in der man große Freude erfahren kann,

die hervorsprudelt und zur Quelle des Lebens wird,

deren Wasser hineinfließen ins Himmlische.

Taufe des Herrn

Du bist mein geliebter Sohn (Mk 1,11)

Aus dem Markusevangelium (1,7-11)

In jener Zeit verkündete Johannes: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren.

Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.

In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.

Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.

Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.

 

Betrachtung

 

Für mich, Jesus, ist die Taufe ein freudiges Ereignis, ein Fest.

Aber an jenem Tag, an dem du die Taufe von Johannes empfangen hattest, bist du nicht ins Restaurant gegangen, hast deine Familie und Freunde nicht zum Kaffee eingeladen.

Sofort hat dich der Geist in die Wüste getrieben,

wo du vierzig Tage geblieben bist und vom Teufel versucht wurdest.

 

Alles lief scheinbar ganz normal ab:

Wie jeder Sünder hast du dich in die Reihe gestellt

und wie alle darauf gewartet dranzukommen.

Niemand der Anwesenden erkannte dich,

ausgenommen der Täufer,

der, zu Recht, mit seiner mächtigen Stimme

die Menge aufrüttelte und sagte:

„In eurer Mitte ist einer, den ihr nicht kennt“.

 

Und doch, Jesus, deine Taufe

ist das erstaunlichste Ereignis überhaupt.

Nie hätte ich mir vorgestellt, dass Du,

der gesegnete Sohn Gottes, der Gerechte,

sich in eine Reihe mit uns Sündern stellt.

Du bist untergetaucht in den Fluten des Jordan,

wie ertränkt in unseren Sünden.

Du bist wirklich ein wunderbarer Gott,

erstaunlich!

 

Du bist in diese Welt gekommen um uns zu retten

und hast keine andere Art und Weise gefunden als jene,

einzutauchen bis in den Grund unserer Menschheit,

solidarisch mit uns Sündern zu werden.

Der Vater sieht es, stimmt zu

und erklärt feierlich:

„Du bist mein geliebter Sohn,

an dir habe ich mein Wohlgefallen“.

In Liebe mit Dir verbunden, von überfließender Glückseligkeit,

denn er sieht wie sich das verwirklicht,

wovon er schon so lange geträumt hat.

 

Deine Taufe ist die Eingangspforte ins Evangelium.

Die Solidarität mit deinen bedürftigen Brüdern und Schwestern

ist der fundamentale Grund deiner Mission.

Hier wird vorweggenommen, was ich

am Ende des Evangeliums auf Kalvaria

erfüllt sehen werde:

Hier sehe ich dich in einer Reihe mit den Sündern,

dort sehe ich dich am Kreuz inmitten zweier Räuber;

hier tauchst du unter im Wasser, aus dem wir alle geboren werden,

dort wirst du ertrinken im Tod, durch den wir alle sterben;

hier reißen die Himmel auf,

dort zerreißt der Vorhang des Tempels;

hier steigt herab der Geist,

dort „strömt dein Geist hervor“;

hier verkündet die Stimme des Vaters vom Himmel seinen Sohn,

dort wird die Stimme des Hauptmanns staunend erklären:

„Wahrhaftig, dieser war der Sohn Gottes“.

 

Ich lobe dich, Jesus,

und mit ganzem Herzen preise ich dich,

denn mit dir, der du eintauchst

in den Abgrund meines Elends und meiner Sünden,

kommt mir der Himmel entgegen.

Dank dir, Jesus, sind die Wasser der Taufe

vom Heiligen Geist geheiligt

und für mich zur Quelle des neuen Lebens geworden,

des Lebens als Kind Gottes.

Jetzt weiß ich,

dass sich auch auf mich

der segensvolle Blick deines Vaters legt

und, mit unendlicher Zuneigung,

ruft er aus:

Es ist mein Sohn!

Aus dem Lukasevangelium

Und das Wort ist Fleisch geworden und es kam, um in unserer Mitte zu wohnen (Joh 1,14)

Aus dem Evangelium nach Lukas (2,1-14)

 

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl, alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.

Dies geschah zum ersten Mal; damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.

So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids.

Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete.

Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,

und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war.

In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,

der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr.

Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach:

Verherrlicht ist Gott in der Höhe /

und auf Erden ist Friede /

bei den Menschen seiner Gnade.

 

 

Betrachtung

 

Jesus, hier bin ich allein vor der Krippe.

Stille ist um mich herum und auch in mir.

Der Zauber deiner Krippe hüllt mich ein.

Langsam löst sich alles um mich herum auf;

es bleibt allein jener hölzerne Stall,

der mich so sehr fesselt und zur einzigen

Wirklichkeit wird.

 

Es ist Weihnachten:

Du, Jesus, geboren für das Leben der Gläubigen

und für das Leben der Welt.

Hier, umhüllt von der Ruhe des Glaubens,

kann ich mit der Hand die unermessliche Liebe berühren,

die für mich da ist.

Es ist wirklich wahr, was der Apostel Johannes

in seinem Evangelium geschrieben hat:

„Gott hat so sehr die Welt geliebt,

dass er seinen eingeborenen Sohn hingab“.

 

Du bist hier, Jesus, mir nahe;

du bist kein ferner Gott,

du empfindest mit mir,

in einer unvorstellbaren Art und Weise

bist du mit mir solidarisch,

denn du bist der Immanuel, der Gott mit uns.

Vom Herzen und vom Schoß Marias

hast du mein menschliches Fleisch angenommen,

damit ich Anteil habe an deinem Leben

und an deinem Frieden.

Jeder Tag, alle Tage,

wären sie noch so hart, wären sie noch so traurig,

sind erfüllt von deiner Gegenwart.

 

Aber, Jesus, mich erschüttert das Missverhältnis

zwischen der Größe des Geheimnisses deiner Geburt

und meinem alltäglichen Leben, das sich nie ändert.

Kaum sind die Festtage vorbei, falle ich zurück, bin engherzig,

kleinlich, ängstlich, verworren wie immer.

Die Furcht, der Zweifel, die Angst

bringen mit sich eine Frage, die in mir widerhallt:

Welchen Sinn hat diese Verkündigung

für meine tagtägliche Realität?

Und wenn es nur ein Märchen wäre?

 

Nein, Jesus, deine Geburt ist kein Mythos,

kein Märchen, sie ist nicht einfach Poesie.

Es ist eine Tatsache, eine konkrete und lebendige Realität.

Es ist ein geschichtliches Ereignis

und nichts und niemand wird es je

entwurzeln oder streichen können.

Es ist Geheimnis, es ist Heilsgeschehen.

Es ist unaussprechliche Gnade,

es ist unerschöpfliche Lebensquelle.

 

Du verschmähst es nicht, Jesus,

dich zum Menschen zu machen,

arm und zerbrechlich wie ich einer bin.

Vergib mir, denn so viele Male

antworte ich dir, der du um meines Heiles willen

geboren wurdest, mit Gleichgültigkeit,

Langeweile, Ungläubigkeit.

In deiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit

erweckst du wieder in mir den Glauben,

machst du ihn lebendiger und fester,

überzeugter und reifer, fröhlicher und stärker.

Mach, dass ich nicht nur an diesem Weihnachtsfest

dich wieder erkenne als Sohn Gottes

und ich dich aufnehme, mit Liebe, als den Retter.

Du bist meine Kraft,

mein Trost und meine Hoffnung

mein Hafen des Friedens und der Glückseligkeit.

 

Ich bete dich an Jesus, mein Gott, Kind geworden,

arm und schwach wie ich!

Du trittst ein ins Leben mit dem Geschrei aller Kinder,

die Aufmerksamkeit und Schutz fordern.

Du bist die Liebe, die Liebe Gottes selbst.

Wie vor zweitausend Jahren,

akzeptierst du auch heute,

dass es keinen Platz für dich gibt;

trotzdem hörst du nicht damit auf

immer wieder geboren zu werden,

um mich so zu lieben wie ich bin

und mir deinen Frieden und deine Freude zu schenken.

Danke, Jesus.

Aus dem Lukasevangelium (1,26-38)

Maria sagte: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn: mir geschehe nach deinem Wort" (Lk 1,38)

Aus dem Evangelium nach Lukas

 

Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret

 zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir.

Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe.

Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden.

Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben.

Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.

Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden.

Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat.

Denn für Gott ist nichts unmöglich.

Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

 

 

 

 

 

Jesus, am Anfang des Advents hast du mich gemahnt

aufmerksam zu sein und zu wachen,

um mein Herz nicht zu asphaltieren

mit den Dämonen der Gewohnheit und der Gleichgültigkeit.

Ich verstehe, dass es für mich kein Weihnachten geben kann,

wenn ich in meinen Sünden gefangen bleibe

und fortfahre den Kopf voll zu haben

von ohrenbetäubendem Lärm

und das Herz überfüllt von tausend verworrenen Träumen.

Befreie mich von der Gefahr das Christsein zu praktizieren

ohne dir je wirklich zu begegnen.

Mach, dass ich wie Maria bereit bin,

mich vom Heiligen Geist in Besitz nehmen zu lassen

und die Bedingungen zu schaffen,

durch die du in meinem Herzen geboren werden kannst.

 

Weihnachten ist ein Drama, eine Herausforderung:

Du, Jesus, kommst in die Welt,

die Welt, die sich dir verdankt;

und doch findest du keine Aufnahme.

Die lange Geschichte des alten Bundes,

geschlossen durch deine Freundschaft zu uns, deine Zuneigung und deine Barmherzigkeit,

hat nicht ausgereicht.

Müde von so vielen Zurückweisungen und so großem Unverständnis,

hast du entschieden dich zum Menschen zu machen;

Worte, Tränen, Lächeln, Stimme, Schweiß.

Du hast einen Leib annehmen wollen wie den meinen

und deshalb hast du dir eine Mutter erwählt.

Nicht die Frau eines Kaiserhauses oder eine Nobelpreisträgerin für Medizin,

nicht eine Managerin unserer Tage,

sondern die kleine Maria von Nazareth,

und du hast sie gebeten

deine Eingangstür in die Welt zu werden.

 

In der Früh, mittags und abends,

dreimal am Tag, läuten die Glocken:

es ist das Ave Maria.

Der Gruß des Engels betont

den Beginn, die Mitte und das Ende des Tages.

Das „Ja“ Mariens hat Freude gebracht in den Himmel

und auf die Erde.

Es gibt Freude im Himmel, denn Gott,

der die Liebe ist und schon immer abgelehnt und

nicht geliebt wurde, dieser Gott

wird jetzt von Maria aufgenommen und geliebt.

Es gibt Freude auf der Erde, denn

mit deiner Geburt, Jesus,

hast du die Welt erfüllt mit Gnade und Barmherzigkeit.

 

Jesus, mach, dass mein Leben

das fortwährende „Ja“ Marias ist,

dass auch ich mich wahrhaftig Magd oder

Diener nennen kann,

ganz bereit zu gehorchen,

Platz zu lassen deinem Wort,

es leben und wachsen zu lassen in mir,

bis es mein ganzes Leben erfüllt.

Hilf mir, dir „ja“ zu sagen alle Tage,

denn deine Pläne sind Pläne des Lebens.

 

Das großzügige und vertrauensvolle „Ja“ Marias

hat der Welt die Möglichkeit gegeben

dich aufzunehmen, der du der Retter bist,

jeden Tag dich erfahren zu dürfen,

deine Gegenwart, deine Gnade, deine heilende Zuwendung.

Hilf, Herr, dass auch mein „Ja“ dir gegenüber

der Beginn großer Dinge sein kann,

die du in mir und in deiner Kirche vollbringen willst.

Nur dann wird sich Weihnachten auch für mich ereignen, bist du nicht umsonst geboren.

Christkönig

Er wird sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit (Mt 25,31)

Aus dem Mattäusevangelium (25,31-46)

Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.

Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.

Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.

Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.

Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen;

ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?

Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?

Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?

Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!

Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;

ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.

Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?

Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.

Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

 

Betrachtung

Jesus, ich knie vor dir,

und ich bete dich an als meinen König und Herrn.

Für mich bist du, o Jesus, der Menschensohn,

der du kommen wirst in Herrlichkeit mit deinen Engeln

um alle Völker zu richten.

 

Der Preis für deine Herrlichkeit ist das Kreuz;

deshalb umgibst du dich nicht mit Würdenträgern

oder mit Leuten, die berühmt und erfolgreich sind;

du bist nicht dort um Huldigungen entgegenzunehmen

von Botschaftern oder besonderer Gesandtschaft,

sondern du bist auf deinem Thron, um die Untergebenen zu belohnen,

die es wie du gemacht haben,

die deine kleinsten Brüder und Schwestern geliebt

und das Reich Gottes vorangebracht haben,

das Heil und das Leben für alle.

 

Hilf mir die souveräne Macht aufzunehmen,

wie du sie empfangen und ausgeübt hast.

Du bist hindurchgegangen durch alle Situationen der Entbehrung,

die einem König, für gewöhnlich, erspart bleiben.

Du wurdest in einer Grotte geboren,

weil es für dich in der Herberge keinen Platz gab;

du hast gelebt ohne einen Ort, wo du hinlegen konntest das Haupt,

du wurdest misshandelt und geschmäht,

verleumdet und verhöhnt,

verleugnet von den Oberen des Volkes,

verurteilt, um am Kreuz zu sterben

wie ein Verbrecher, inmitten zweier Diebe.

 

Und doch, Jesus, warst du in unserer Mitte;

du hast die Kranken geheilt und die Trauernden getröstet;

den Sündern hast du vergeben

und dich mit ihnen an einen Tisch gesetzt;

den Armen hast du die frohe Botschaft verkündet.

Du bist König ohne Krone, ohne Zepter und ohne Thron,

denn dein Königtum verwirklicht sich

in der Freiheit zu lieben und zu dienen,

im Schenken und darin, allen Wohltaten zu erweisen.

 

Dein Geist lehre auch mich, deinen Jünger,

dass herrschen dienen bedeutet.

Heute, Jesus, zeigst du mir in deinem Evangelium

wie ich vor dich hintreten kann, gerechter Richter,

unter welchen Voraussetzungen,

ich eintreten kann in das Reich deines Vaters.

Du lehrst mich: Vom Heute, vom Jetzt hängt

die zukünftige Welt ab,

denn die neuen Himmel und die neue Erde

werden keine Negation der Geschichte sein,

die sich jetzt vollzieht,

sondern die Wiedergewinnung und Verklärung

von all dem, was diese Geschichte an Konstruktivem hat.

 

Dein ist das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens,

es ist die neue Welt, in der es weder Hunger noch Durst gibt,

wo keine Krankheit mehr ist

und niemand mehr fremd sein wird

oder bedrückt von den Schlingen der Sklaverei.

Mach, o Jesus, dass ich, ohne Streben nach Gewinn,

manchmal die Undankbarkeit besiege,

dass ich dich erkenne und dir diene im Armen und Schwachen,

im Einsamen und im verlassenen alten Menschen,

im unbequemen Verwandten, im Ertragen gehässiger Menschen

und im ungeduldigen Erkrankten.

 

Herr, du weißt, wann mein Leben zu Ende geht.

Ich bitte dich, zeige mir deine Barmherzigkeit;

komm zu mir in der Stunde des Todes und sag mir:

„Komm, Gesegneter meines Vaters,

nimm zum Erbe das Reich,

das für dich bereitet ist seit der Erschaffung der Welt.“

 

33. Sonntag im Jahreskreis A

Nimm teil an der Freude deines Herrn

Aus dem Evangelium nach Matthäus (25,14-30)

 

Es ist wie mit einem Mann, der auf Reisen ging: Er rief seine Diener und vertraute ihnen sein Vermögen an.

Dem einen gab er fünf Talente Silbergeld, einem anderen zwei, wieder einem anderen eines, jedem nach seinen Fähigkeiten. Dann reiste er ab. Sofort

begann der Diener, der fünf Talente erhalten hatte, mit ihnen zu wirtschaften, und er gewann noch fünf dazu.

Ebenso gewann der, der zwei erhalten hatte, noch zwei dazu.

Der aber, der das eine Talent erhalten hatte, ging und grub ein Loch in die Erde und versteckte das Geld seines Herrn.

Nach langer Zeit kehrte der Herr zurück, um von den Dienern Rechenschaft zu verlangen.

Da kam der, der die fünf Talente erhalten hatte, brachte fünf weitere und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben; sieh her, ich habe noch fünf dazugewonnen.

Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

Dann kam der Diener, der zwei Talente erhalten hatte, und sagte: Herr, du hast mir zwei Talente gegeben; sieh her, ich habe noch zwei dazugewonnen.

Sein Herr sagte zu ihm: Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener. Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!

Zuletzt kam auch der Diener, der das eine Talent erhalten hatte, und sagte: Herr, ich wusste, dass du ein strenger Mann bist; du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;

weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.

Sein Herr antwortete ihm: Du bist ein schlechter und fauler Diener! Du hast doch gewusst, dass ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe.

Hättest du mein Geld wenigstens auf die Bank gebracht, dann hätte ich es bei meiner Rückkehr mit Zinsen zurückerhalten.

Darum nehmt ihm das Talent weg und gebt es dem, der die zehn Talente hat!

Denn wer hat, dem wird gegeben, und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat.

Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

 

 

 

Betrachtung

 

Auch mir, Herr, hast du Talente geschenkt.

Es sind deine Güter, Güter von unschätzbarem Wert:

die Geschenke des Geistes, das Geschenk des Glaubens und der Hoffnung, das Geschenk der Liebe und des Evangeliums.

Mach, o Herr, dass ich mich verantwortlich fühle

dem gegenüber, was du mir in meine armen Hände gelegt hast

und mach mir bewusst, dass dieser wertvolle Schatz

der Freude und Erfüllung aller dient.

 

Vergib mir, Jesus,

denn ich steh vor dir mit leeren Händen und verhärtetem Herzen.

Deine Liebe habe ich nicht verstanden,

ebenso wenig das Vertrauen, das du in mich gelegt hast.

Mein Leben ist begrenzt durch einen fruchtlosen Respekt

dem gegenüber, wovon ich glaube, dass es dir gehört

und so habe ich diese Geschenke im Tresor behalten,

vergraben, ohne sie je wachsen zu lassen,

ohne sie je weiterzugeben in die Hände anderer.

Wie oft hat in mir die Trägheit überwogen,

nur aus dem leben zu wollen, was schon da ist,

um mich nicht den Unsicherheiten des Lebens aussetzen zu müssen;

Wie oft hatte ich Angst vor den Herausforderungen

und den Gefahren, die sich jeden Tag auftun.

 

Hilf mir, Jesus, mich ins Spiel zu bringen,

mach, dass ich verstehe im Glauben den eingefahrenen Gleisen zu widerstehen, dass ich die Art und Weise herausfinde, dir treu zu sein und deiner Liebe, der du mich bekleidet hast mit Hochschätzung und Vertrauen.

 

Mach mich fähig zu lieben und zu vergeben,

wie es ein Sohn des Höchsten tun sollte.

Mach, dass ich an die Gnade glaube, die in dir erschienen ist, Jesus,

die Gnade, die für alle das Heil bereithält;

und dieses Glauben soll sich auswirken,  

kostenlose Güter überall auszusäen, wie

Barmherzigkeit, Einfühlungsvermögen und Vergebung,

ohne etwas dafür zu wollen,

folgend deinem Beispiel,

der du aus Liebe den Tod am Kreuz gewählt hast.

 

Wenn ich anders handle, so wie der faule Knecht,

verrate ich dein Vertrauen,

aber noch mehr verurteile ich mich zu einer Existenz der Leere,

wo weder Leben noch Freude aufleuchtet.

 

Ich bitte dich, Jesus, mach, dass das Talent, das dein Vertrauen und deine Großherzigkeit in meine Hände gelegt haben für mich nicht etwas ist, das mich in Verlegenheit bringt

und nicht Ursache der Angst wird,

sondern sich auswirkt in lebendiger und großherziger Verantwortung, genial und leidenschaftlich,

nicht kleinlich, nicht ängstlich, nicht träge, nicht fruchtlos.

Du nennst mich nicht mehr Knecht, sondern Freund

und du willst, dass ich mit dir die Leidenschaft für das Himmelreich teile.

 

Am Ende meines Lebens,

wenn ich vor dich gerufen werde

und dir Rechenschaft ablege über die Talente, die du mir gegeben hast,

gewähre mir die Gnade das Wort des Heiles zu hören:

„Nimm teil an der Freude deines Herrn“.

28. Sonntag im Jahreskreis A

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete. (Mt 22,2)

Aus dem Evangelium nach Matthäus (22,15-21)

 

Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.

Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen.

Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen: Mein Mahl ist fertig, die Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit!

Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden,

wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um.

Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.

Dann sagte er zu seinen Dienern: Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren es nicht wert (eingeladen zu werden).

Geht also hinaus auf die Straßen und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.

Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

Als sie sich gesetzt hatten und der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Mann, der kein Hochzeitsgewand anhatte.

Er sagte zu ihm: Mein Freund, wie konntest du hier ohne Hochzeitsgewand erscheinen? Darauf wusste der Mann nichts zu sagen.

Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.

Denn viele sind gerufen, aber nur wenige auserwählt.

 

 

Gebet

 

 

Das Heil, das du mir schenkst, Jesus,

ist eine großartige Geschichte der Liebe.

In der Ruhe des Ewigen,

drei einander liebende Göttliche Personen,

tauschen gegenseitig unendliche Freude aus

in völliger Transparenz und absoluter Mitteilung.

Eine ewig währende Erfüllung.

Diese drei Göttlichen Personen entscheiden sich,

ihre Freude mitzuteilen,

die Menschheit mit hineinzunehmen in ihre Familie,

in ihr Haus, in ihre Liebe.

 

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der die Hochzeit seines Sohnes vorbereitete.“

Ja, das Himmelreich ist ein Fest, ist Freude, ist Tanz,

ist Lächeln, ist unbeschreibliche Schönheit,

schafft Vertrautheit, gib ein Gefühl der Sicherheit

und Unbeschwertheit.

 

Du, Gott, lädst alle ein zum Fest,

du möchtest, dass dein Haus voll sei:

„Alles ist bereit, kommt zum Fest!“

Aber wir, anstatt Freudensprünge zu machen,

wir kümmern uns nicht darum

und törichterweise wollen wir unsere

kleinlichen Interessen und

alltäglichen Beschäftigungen nicht verlassen.

Aber wenn auch unsere Torheit groß ist,

größer ist deine Phantasie und deine Liebe, o Gott.

 

„Wo jedoch die Sünde mächtig wurde,

da ist die Gnade übergroß geworden“ (Röm 5,20)

Unsere Ablehnung hält dich nicht auf.

Du gibst dich nicht damit zufrieden zu sehen,

welches Leben deine Kinder führen,

mehr oder weniger zusammengeflickt.

Du willst für sie die Fülle des Lebens und der Freude.

Deshalb wird es ein Fest sein und es wird sehr schön sein.

 

Danke, Herr, weil du mir dein Haus geöffnet hast

und mich eingeladen hast zu deinem Gastmahl.

Besondere Verdienste habe ich nicht

und bin deiner nicht würdig und auch nicht

deiner Freude.

Mir ist klar, vor dir steh ich nicht herzeigbar;

die nicht zu verwischenden Spuren

meiner Sünden und meiner Untreue

machen mich nicht gerade attraktiv.

Und doch änderst du deine Meinung nicht

auf Grund meines Aussehens und meiner Schwäche.

Du hast mich aufgesammelt, zusammen mit so vielen anderen,

an den Kreuzungen der Straße;

du hast mich gesandt auf die Suche zu gehen

zusammen mit den vielen Armen und Sündern.

 

Mach, o Herr, dass ich mich vor dir zeige

wenigstens mit hochzeitlichem Gewand

und mit dem echten Bestreben

mein Leben in deine Hände zu legen

und mich zu bekehren.

Das Heil, das du mir schenkst,

ist nicht automatisch,

es ist nicht zu einem Schleuderpreis zu haben,

es braucht meine Annahme und meine Mitarbeit.

Hilf mir, damit ich nichts der Liebe zu dir vorziehe.

Amen.

Aschermittwoch

Lasst euch mit Gott versöhnen (2 Kor 5,20)

Aus dem Evangelium nach Matthäus (6,1-6.16-18)

 

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern

Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.

Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.

Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.

Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,

damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

 

 

 

 

 

Gebet

 

Die Fastenzeit, die du, o Jesus,

mir auch dieses Jahr schenkst,

gehört zu den wichtigsten

Abschnitten meines Glaubensweges.

Der Apostel Paulus, mit betrübtem Tonfall,

wiederholt heute auch mir das, was er der Gemeinde von Korinth geschrieben hat:

„Wir bitten euch im Namen Christi:

lasst euch mit Gott versöhnen“ (2 Kor 5,20).

 

Worte der Erneuerung, Bekehrung,

Änderung des Lebens, Rückkehr zu Gott...

hören wir immer wieder

in der Liturgie der Kirche.

Sie sind eine unaufhörliche Einladung,

die aus deinem Herzen kommt,

damit ich mich dir anvertraue,

wie Lehm den Händen des Töpfers.

 

Deine Kirche, o Jesus, wird mir

in dieser Fastenzeit ständig wiederholen:

„Bekehre dich und glaube an das Evangelium.

Lass zu, dass sein Licht

deine Existenz durchdringt.

Suche mit Beharrlichkeit das Angesicht des Vaters,

höre seine Stimme,

überlasse dich seinen Armen

voller Geborgenheit.“

 

Hilf mir, o Jesus, zurückzukehren zu den Quellen

meines inneren Lebens,

um mit größerer Entschiedenheit und Überzeugung

dich anzuschauen, der du der Weg, die Wahrheit und das Leben bist.

Mach, dass ich dir von neuem begegnen kann,

mit demselben Gefühl wie beim ersten Mal,

um die Freude eines absolten „Ja“ zu deiner Person

und deiner Liebe zu erfahren.

 

Aus der Tiefe meiner Existenz

kommt mein Hilferuf:

„Ich brauche dich, o Jesus“,

deine Barmherzigkeit,

deine Vergebung und dein Mitleiden,

denn nichts und niemand kann je

den Durst nach Glückseligkeit, nach Wahrheit

und nach Liebe stillen, den

ich in mir trage.

 

O Jesus, ich bin mir bewusst, dass

meine Umkehr sich nicht begrenzen kann und soll

auf einfache Fassadenänderungen.

Ich soll mir „das Herz zerreißen und nicht die Gewänder“.

Die Art und Weise des Denkens ist zu ändern;

zu überprüfen sind meine tiefsten Gefühlsregungen,

die Entscheidungen, die mein Herz betreffen.

Wenn ich es doch schaffen würde

in dir den richtigen Schwerpunkt

wieder zu finden!

Dann wäre ich imstande mutige Entscheidungen zu treffen,

dann, mit der ganzen Aufrichtigkeit des Herzens,

könnte ich dir sagen: „Ich folge dir, wohin auch immer du gehst, o Jesus“, in der Gewissheit:

Du stehst zur Seite,

meinen unsicheren und schwachen Schritten

mit der Macht deiner Liebe.